magazin

Tantrik und Emotionen

Tantrik und Emotionen

Über die Fehlbewertung von Emotionen und die lehrreiche Sicht der Tantrik zum Umgang mit ihnen.

Als Gesellschaft haben wir die starke Tendenz Ereignisse in gut und schlecht zu kategorisieren – je nach dem welche Emotion mitschwingt. So gilt Hochzeit als etwas wünschenswertes, hingegen Trennung als etwas schweres, belastendes und anstrengendes bewertet wird. Geburt strotzt vor Leben und Glück, während Tod und Streben als zu tiefst Schlecht eingeordnet werden, sodass die dazugehörigen Emotionen zu fühlen mit purer Angst verbunden ist.
Niemand will wütend sein, niemand will verzweifelt sein, niemand will ängstlich oder traurig oder gar eifersüchtig sein. Niemand will schlechte Gefühle. Und obwohl sie niemand fühlen will ,sind sie unweigerlich da. Kann es also sein, dass sie gar nicht so schlecht sind, sonder wir sie zu dem machen? Und kann es vielleicht sein, dass es gar nicht um Vermeidung, sondern um den richtigen Umgang mit ihnen gehen sollte?

Was sind Emotionen genau? 

Es folgen Textauszüge aus dem Buch „The Language of Emotions -what your feelings are trying to tell you“ von Karla McLaren, die durch ihre prägnante Wortwahl das Thema auf den Punkt bringt. 

What are emotions?

„Is it a mood, a feeling, an impuls, a neurochemical event or all of them? Do emotions come from thoughts or instincts or do thoughts and instincs arise from emotions? 
The socially accepted view is that there are good and bad emotions: These categories have a bit of interplay but basically, good emotions are the one that makes us easy to be around while bad emotions are the ones that shake things up. 

Good emotions are happiness, pleasantness, joy and some forms of sadness. Anger dips a little toe into the good category when it response to injustice but the acceptable timeframe for anger is a lot shorter than the allowed for sadness. 

The bad emotions category is very large indeed: Sadness that lasts too long is bad. Depression is bad but suicidal urges are emergency room bad. 
Anger ist bad, peevishness (Gereiztheit) is bad, righteous indignation (Empörung) and wrath (Zorn) are bad, too. Rage (Tobsucht) and Fury (Wut) are extra bad. Hatred (Hass), we won’t even go into. Jealousy is bad bad bad. Fear is so bad we have got bumper stickers that shout to others that we haven’t go any fear. So all the fear based emotions are bad. Anxiety (Angst), worry (Sorgen), trepidation (Besorgnis), panic are bad as shame and guilt. 

The simplistic bad-good-System imprisons so many of us. Even though we have categorized the heck out of emotions, we still don’t treat emotions – or people who feel them – intelligent. It is easier to shame an angry woman than to support her or their socially unacceptable emotions. 
But we truly need our emotions. We cannot live a functional life without them. Without our emotions we cannot make decisions, we cannot decipher our dreams and visions, we cannot set proper boundaries, we cannot identify our hopes, we cannot connect or even find our dearest loves. 

„Without access to our emotional selves, we grow like tress in the wrong soil – becoming tall but not strong and old but not mature.“ 

Emotions are not being honored. They are not treated as the brilliant messengers they are. When we can see all of our emotions as vital tools, we can invite all of them into a conscious and supportive dialog. That’s when we can treat our emotions as essential aspects of ourselves and begin to understand that there is an honorable way to work with our emotions and an honorable way to think about them. When we approach the emotions honorably, we won’t banish certain emotions to the underworld; we will instead seek a middle ground where all emotions can exist and work properly. 

The problem

The problem is that we don’t know how to work with them. 
Repression is the only internal emotional management skill most of us have. If we can’t express emotions safely oder masterfully, we will stuff them down into our psyches. And when we repress our emotions, we hand them off to the inner world, where we hope they will disappear, transform themselves or maybe come up again at a better time. Whenever that might be. We press it inward. We don’t know what to do with that bad feeling. 

The problem with repression is that the inner world is where emotions come from. Shoving the emotions back where they come from, creates an unpleasant short circuit in the psyche. 

Emotions are messengers from our instinctive selves. They can be important carriers of absolut truth. If we ignore or repress them, we won’t erase its message – we will just shoot the messenger and interfere with an important natural process. The unconscious then has two choices: to increase the intensity of the emotion and present it to us again or to give up on us and stuff the emotional energy deep into our psyches. Usually this mutates into something else, like compulsion, psychosomatic illness, addictions or neuroses. 

„Suffering is discomfort multipied by resistance“
– Buddha 

There is an insightful Buddhist saying: „suffering is discomfort multiplied by resistance.“ I repeat this saying to myself when i move towards distraction. If i can sit with an unformatble emotion, i can understand myself more deeply. But if i resist the emotion and turn toward avoidance and distraction, i actually begin to suffer – maybe not in the exact moment of distraction- but when i put my distraction aside, where am I? The original emotion is now in a less healthy position and i have set myself up for an imbalance. If the emotion comes back now with more intensity, i suffer.
We need to understand that our culture wide refusal to deal with discomfort has dropped all of us into suffering.

Yoga und Emotionen und Trauer. Was sind Emotionen und wie hilft Yoga zur verarbeitung von Emotionen, wie Trauer.

Tantrik und Emotionen 

Emotions are always true – they always tell the truth about how we are actually feeling  but the may not always be right or appropriate in each situation. Therefore, we have to learn how to understand, interpret and work with them. We must learn to honor and attend to or emotions in a deeper, more mature and more evolved way. We must learn not to work against the emotions but to work with them […]“ und wir müssen lernen mutig zu sein und uns auch den baddies zu stellen. 

Ein Impuls der mich persönlich inspiriert und trägt, stammt aus der roten Tantrik. Er besagt, dass es im Leben – im Großen und Ganzen – nur darum geht Erfahrungen zu sammeln. Erfahrung, ohne Wertung. Das Erleben steht im Vordergrund – das Leichte, wie auch die Erlebnisse, die uns herausfordern und uns mit diesen baddies konfrontierten. Das Leben ist nicht dafür da, ausschließlich das Schöne zu erfahren und das Schlechte so gut es geht zu vermeiden. 
Paradebeispiel hierfür ist die Geburt bzw. der Geburtsschmerz. Wir haben so große Angst vor Schmerz und wollen ihn um jeden Preis vermeiden, denn in unserem Bild ist er ein absoluter baddie. Dabei gehört er zu dieser tiefgreifenden Erfahrung dazu. Er kann und darf nicht ausgeklammert werden. Die tantrische Sicht ermöglicht einen Perspektivwechsel, der vor allem in herausfordernden Zeiten ein starker Anker sein kann. Denn nur erlebte Erfahrung ist Weisheit, die uns wachsen lässt.

Ursachen von Leid im Kinderwunsch

No good without the bad

Nicht zufällig ist der Lotus das Symbol des Buddhismus sowie der Yogalehre.
Die Lotusblume steht im Buddhismus für Erleuchtung und spirituelles Erwachen. Sie wächst durch den Schlamm und öffnet ihre Blüte – jeden Tag aufs Neue. Der Schlamm steht symbolisch für die rohe Seite des Lebens: Ungewissheit, Anhaftung, Chaos und schwierige Umstände. Im Buddhismus wird dies nicht als etwas „Schlechtes“ bewertet, sondern als notwendiger Nährboden. Als Herausforderung, die zu Wachstum einlädt. Denn ohne Schlamm, keine Lotusblüte. 
Der Stängel der Lotusblume beschreibt den spirituellen Weg – Yoga als Weg.
Die Blüte symbolisiert Samadhi – Klarheit, innerer Freiheit, Ruhe – Yoga als Ziel, als Zustand.  

Mit Emotionen arbeiten: A) Channeling

Wie können wir lernen mit statt gegen unsere Emotionen zu arbeiten?
Karla McLaren stellt eine Methode vor, wie wie mit unseren Emotion arbeiten können: „Channeling“ = Kanalisieren. Mit Channeling ist gemeint, etwas auf einem bestimmten Weg zu lenken oder zu übermitteln. Lernen wir unsere Emotionen richtig zu kanalisieren, können wir die Botschaft verstehen, die sie transportieren.
Channeling ermöglicht, den Ursprungskern unserer Emotionen OHNE die dazugehörige Geschichte spüren zu können, d.h. wie sich Emotionen anfühlen, wenn sie nicht von sozialen Ängsten und Vorurteilen überladen sind. So können wir ihnen so viel besser zuhören und vor allem, erlauben, dar zu sein. 

Trauer

  1. Atme tief ein – fülle Bauch und Brust mit Luft bis du ein kleines Spannungsgefühl spürst. Halte den Atem für ein paar Sekunden.

  2. Atme langsam aus und bewege dabei deine Handgelenke, Fußgelenke und deinen kopf spiralförmig.

  3. Wiederhole diese tiefe Atmung und kreise erneut deinen Körper während du ausatmest. Du kannst auch die Zunge rausstrecken, gähnen oder den Körper schütteln.

  4. Nun atme natürlich weiter und beobachte, wie du dich fühlst. Wenn du dich ein wenig weicher, ruhiger, vielleicht sogar ein wenig müde fühlst, durfte sich gerade Spannung in deinem Körper lösen, die sich durch angestaute Emotion gebildet hat. Heiße deine Trauer willkommen. 

  5. Das sind die Botschaften von Trauer. So fühlt sich gesunde, fließende Traurigkeit an: sie hilft dir Spannung loszulassen. 

Freude

  1. Lächle, als würdest du einen guten Freund begrüßen. Vielleicht merkst du wie sich deine Auggen dabei ein wenig mehr öffnen. 

  2. Streck die Arme lang nach oben und Streck einmal deinen ganzen Körper. Lächle weiter, halte deine Augen weiterhin offen und nimm einen entspannten Atemzug. 

  3. Wie fühlt sich dein Körper an? Heiße deine Freude willkommen. Sie ist ein hervorragender kleiner Pausenknopf, der dich mit innerer Wärme, Leichtigkeit und Antrieb auflädt. 

  4. Mimik und Gefühle hängen eng zusammen, d.h. dass Gesichtsausdrücke Emotionen hervorrufen können. (Das gilt für positive wie negative Gefühle.)

Angst

  1. Suche dir einen ruhigen Ort und lehne deinen Oberkörper nach vorne (sitzen, liegen oder stehen möglich). Konzentriere dich auf deinen Hörsinn und versuche das leiseste Geräusch um dich herum wahrzunehmen. Deine Schulter sind dabei entspannt und weit weg von deinen Ohren. Du kannst auch dein Mund leicht öffnen oder deinen Kopf sanft bewegen während du den leisesten Ton ausfindig machst und die offensichtlichen Geräusche herausfilterst. 

  2. Wenn du das Geräusch gefunden hast, halte für einen Moment still und konzentriere dich voll und ganz auf diesen Ton. Vielleicht kannst du ihn auch mit den Augen lokalisieren. 

  3. Wie fühlt sich dein Köper an? Deine Gedanken sind klar und wachsam. Deine Haut fühlt sich vielleicht etwas empfindlich an. Heiße deine Angst willkommen.
  4. Gesunde und frei fließende Angst ist nichts anderes als dein Instinkt und deine Intuition. Angst ohne Bewertung ist harmonisch. Sie fokussiert und zentriert dich und all deine Sinne

B) Interozeptives Training: Praktische Übung aus der Yogatherapie

Interozeptives Training ist eine Methode um Körperempfindungen wertfrei wahrzunehmen und innere Stille zu fördern. Darunter fallen viele Bereiche des Achtsamkeitstraining, wie Autogenes Training oder Body Scan. Eine bestimmte Form des Trainings ist die Interozeptive Exposition (Konfrontation) – eine zentrale Technik der kognitiven Verhaltenstherapie, die besonders hilfreich bei Panik-und Angststörungen ist. Dabei werden unangenehm Körpersymptome und Emotionen in einem sicheren Rahmen bewusst herbeigeführt, um den Umgang mit ihnen neu zu erlernen und zu erleben. Dadurch sinkt die Angst vor der Emotion und die Akzeptanz diese zu fühlen und sich ihr zuzuwenden steigt. 
Diese Form der bewussten Exposition fördert die Fähigkeit Auszuhalten ohne zu Vermeiden (Habituation = Gewöhnung) und stärkt nachweislich die Selbstregulation von Körper und Geist. 
Interozeptives Training ist auch Teil derSoulhealing„>Soulhealing.

Soulhealing Interozeptives Training und Yogatherapie - Konstanz - roots

.

Quellen